Kritisch wird eine Fahrt, wenn die Temperatur im Laderaum dauerhaft über 25 Grad Celsius steigt. Die Landestierschutzbeauftragte Brandenburgs stuft solche Innentemperaturen bei Pferden als nicht tierschutzgerecht ein. Wer im Hochsommer transportiert, verlegt die Fahrt daher in kühle Tagesrandzeiten, sorgt für durchgehenden Luftwechsel und verzichtet auf Standzeiten in der Sonne.
Warum Hitze im Transportfahrzeug schnell kritisch wird
Ein Laderaum ist ein weitgehend geschlossener Raum mit Blechhülle, dunklem Boden und wenig Luftvolumen pro Tier. Sonneneinstrahlung heizt Dach und Seitenwände auf, gleichzeitig geben die Tiere selbst Wärme und Feuchtigkeit ab. Beides sammelt sich, wenn die Luft nicht kontinuierlich ausgetauscht wird. Die Innentemperatur liegt deshalb regelmäßig über der Außentemperatur, besonders deutlich, sobald das Fahrzeug steht.
Hinzu kommt die Luftfeuchtigkeit. Tiere kühlen sich unter anderem über Verdunstung und Atmung ab. Ist die Luft im Laderaum bereits feucht gesättigt, funktioniert dieser Mechanismus schlechter. Eine schwüle Fahrt bei 27 Grad kann ein Tier deshalb stärker belasten als eine trockene bei 30 Grad. Der Blick auf das Thermometer allein reicht also nicht aus.
Was die Landestierschutzbeauftragte Brandenburgs zu Hitze bei Pferden sagt
Am 26. Juni 2026 hat Dr. Anne Zinke, Landestierschutzbeauftragte des Landes Brandenburg, vor den Folgen extremer Hitze für Pferde gewarnt. Die Kernaussagen liefern eine brauchbare Orientierung, auch wenn sie sich ausdrücklich auf Pferde beziehen:
- Die Behaglichkeitszone von Pferden liegt typischerweise zwischen 5 und 25 Grad Celsius.
- Ab etwa 28 bis 30 Grad stoßen Pferde an ihre Belastungsgrenze. Kommen körperliche Anstrengung oder hohe Luftfeuchtigkeit hinzu, verschiebt sich diese Grenze nach unten.
- Temperaturen über 25 Grad im Inneren eines Transportmittels gelten als nicht tierschutzgerecht.
- Bei Anzeichen von Hitzestress werden als Sofortmaßnahmen genannt: Verbringung in den Schatten, Bereitstellung von ausreichend Trinkwasser, intensive Kühlung mit kaltem Wasser und tierärztliche Versorgung.
- Für den Turniersport verweist die Mitteilung auf den WBGT-Index aus Temperatur, Luftfeuchte, Wind und Strahlung: Ab 30 sind Schutzmaßnahmen zwingend erforderlich, ab 33 gilt ein Wettkampf als nicht mehr sicher.
Rechtlicher Bezugspunkt ist das Tierschutzgesetz, nach dem niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen darf.
Wichtig zur Einordnung: Diese Zahlen gelten für Pferde. Hunde, Katzen, Kleintiere, Reptilien oder Nutztiere haben abweichende Anforderungen an Temperatur, Luftfeuchte und Luftwechsel. Für die eigene Tierart sollte tierärztlicher Rat eingeholt werden.
Innentemperatur und Belüftung im stehenden und fahrenden Fahrzeug
Der größte Unterschied zwischen einem beherrschbaren und einem gefährlichen Transport liegt in der Frage, ob sich das Fahrzeug bewegt. Während der Fahrt entsteht durch Luken, Gitter und Lüftungsöffnungen ein Luftstrom, der Wärme abführt. Sobald das Fahrzeug steht, bricht dieser Effekt weg, und die Temperatur im Laderaum steigt binnen weniger Minuten spürbar an, selbst bei geöffneten Klappen. Für die Praxis heißt das:
- Der Messpunkt gehört in den Laderaum, nicht ins Führerhaus. Ein Funkthermometer mit Hygrometer auf Kopfhöhe des Tieres, außerhalb der direkten Sonne, liefert die relevante Zahl.
- Lüftungsöffnungen müssen frei bleiben. Gepäck, Heunetze oder Planen vor einer Luke unterbrechen den Luftstrom genau dort, wo er gebraucht wird.
- Querlüftung wirkt besser als eine einzelne geöffnete Klappe, weil warme Luft nur so tatsächlich abtransportiert wird.
- Helle Aufbauten und beschattete Dachflächen nehmen weniger Strahlungswärme auf als dunkle.
- Klimaanlagen im Führerhaus wirken nicht automatisch im Laderaum. Ob eine getrennte Kühlung vorhanden ist, sollte vor der Buchung geklärt werden.
Fahrzeiten, Pausen und Standzeiten in der Sonne planen
Die einfachste Maßnahme gegen Hitze ist der Zeitpunkt. In vielen Sommerlagen liegen die kühlsten Stunden zwischen den späten Abendstunden und dem frühen Vormittag. Eine Abfahrt am frühen Morgen oder eine Nachtfahrt hält die Innentemperatur oft von vornherein unter der kritischen Marke.
Bei der Routenplanung sind vor allem die unbeweglichen Phasen relevant. Staugefährdete Abschnitte, Grenzübergänge mit Wartezeiten, Fähranleger und Verladepunkte sind genau die Situationen, in denen das Fahrzeug ohne Fahrtwind in der Sonne steht. Wer solche Punkte kennt, kann sie zeitlich umgehen oder beschattete Wartepositionen einplanen.
Auch die Pausen verdienen einen zweiten Blick. Eine Rast auf einem asphaltierten, schattenlosen Parkplatz verschlechtert die Lage. Sinnvoller sind Halte unter Bäumen, an der Nordseite von Gebäuden oder auf Höfen mit überdachten Flächen. Bei sehr hohen Temperaturen ist eine zügige Fahrt mit wenigen Halten häufig schonender als eine lange mit vielen Standzeiten.
Wasserversorgung unterwegs und Umgang mit Verzögerungen
Flüssigkeitsverlust ist bei Hitze der stille Faktor. Tiere schwitzen und atmen mehr, nehmen unterwegs aber oft weniger auf, weil ungewohntes Wasser abgelehnt wird. Ein Vorrat aus der gewohnten Quelle, eigene Eimer oder Tränken und regelmäßige Trinkangebote an jeder Pause verringern das Risiko.
Ebenso wichtig ist ein Plan für Abweichungen: eine Wasserreserve über den kalkulierten Bedarf hinaus, Kontaktdaten tierärztlicher Praxen entlang der Route und mindestens eine Ausweichmöglichkeit, an der ein Tier entladen und untergestellt werden kann.
Warnzeichen für Hitzestress und wann eine Fahrt verschoben werden sollte
Wer bei jedem Halt kurz kontrolliert, erkennt eine Entwicklung, bevor sie akut wird. Auf diese Beobachtungen kommt es an:
- beschleunigte, flache Atmung, die auch in Ruhe nicht zurückgeht
- starkes Schwitzen, nasse Flanken, Schaum an Fell oder Gurt
- Apathie oder umgekehrt auffällige Unruhe und Drängen
- Taumeln, Schwanken oder unsicherer Stand
- Verweigerung von Wasser über längere Zeit
- spürbar erhöhte Körperwärme an Ohren und Hals
Zeigen sich solche Anzeichen, gilt die genannte Reihenfolge: Fahrzeug im Schatten abstellen, Luftzufuhr maximieren, Wasser anbieten, intensiv mit kaltem Wasser kühlen und tierärztliche Hilfe hinzuziehen.
Verschieben ist die richtige Entscheidung, wenn eine Hitzewarnung für den Reisezeitraum vorliegt, wenn sich die Innentemperatur schon vor der Abfahrt nicht dauerhaft unter 25 Grad halten lässt, wenn das Tier vorbelastet, krank, sehr jung, sehr alt oder tragend ist, oder wenn entlang der Strecke keine Kühlmöglichkeit besteht. Ein verschobener Termin kostet Zeit. Eine Fahrt unter untragbaren Bedingungen kann das Tier gesundheitlich schädigen und ist rechtlich angreifbar.
Dieser Beitrag bietet allgemeine Orientierung auf Basis öffentlich zugänglicher Informationen und ist keine Rechtsberatung und kein Ersatz für tierärztliche Beurteilung im Einzelfall.
Häufig gestellte Fragen
Ab welcher Außentemperatur sollte man einen Transport absagen?
Eine allgemeingültige Außentemperaturgrenze gibt es nicht, weil Luftfeuchtigkeit, Sonneneinstrahlung, Fahrzeugbauart und Zustand des Tieres mitentscheiden. Als Anhaltspunkt dient die Innentemperatur: Lässt sie sich nicht dauerhaft unter 25 Grad halten, spricht das gegen die Fahrt.
Reicht es, während der Fahrt alle Luken zu öffnen?
Offene Luken helfen, ersetzen aber keine geplante Belüftung. Entscheidend sind durchgehender Luftaustausch, freie Öffnungen ohne Abdeckung und die Vermeidung längerer Standzeiten ohne Fahrtwind.
Gelten die genannten Temperaturwerte auch für Hunde oder andere Tiere?
Nein. Die Angaben zur Behaglichkeitszone und zur Belastungsgrenze stammen aus einer Mitteilung zu Pferden. Andere Tierarten reagieren anders auf Wärme und Feuchtigkeit. Für sie sollten artspezifische Vorgaben und tierärztlicher Rat herangezogen werden.
Ist eine Nachtfahrt bei Hitze immer die bessere Wahl?
Häufig ja, weil die Temperaturen niedriger liegen und die Straßen freier sind. Dagegen sprechen können Müdigkeit am Steuer, eingeschränkte Sicht und der gestörte Ruherhythmus des Tieres.
Was bedeutet der WBGT-Index?
Der WBGT-Index fasst Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind und Strahlung zu einem Wert zusammen. Laut der Brandenburger Mitteilung sind ab einem Wert von 30 Schutzmaßnahmen zwingend erforderlich, ab 33 gilt ein Wettkampf als nicht mehr sicher.
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Transport anfragen →- Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz des Landes Brandenburg, Pressemitteilung vom 26.06.2026: Warnung vor extremer Hitze bei Pferden
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